Donnerstag, 26. Februar 2009

Abartiges Nebeneinander

Im Baumarkt (nein, es ist kein Baumarkt, sondern ein "Canadian Tire" - eine Ladenkette, die als viriles Gegenstück zu "Victoria's Secret" so ziemlich alles zu bieten hat, was das Männerherz höher schlagen lässt: Campingsachen, Jagd- und Angelausrüstungen, fahrbare Rasenmäher, Winterreifen, Hockey- und Baseballschläger und noch andere schnuckelige Dinge. Da dies aber eine rein kanadische Abartigkeit ist, greift Lilli auf eine eher verständliche Benennung zurück, die beim geneigten Leser die gleiche physische Reaktion - Gänsehaut, beschleunigter Herzrhythmus, Leuchten in den Augen, leicht wiegender Schritt - hervorruft.), im Baumarkt also liegen die Säcke mit Streusalz jetzt direkt neben denen mit Holzkohle, und ein paar Schritte weiter werden schon riesige Grills und Balkonmöbel ausgepackt. Wenn man denkt, dass für Montag schon wieder 20 cm Schnee angesagt sind, kann man nur den Kopf schütteln über so viel Optimismus.

Mittwoch, 25. Februar 2009

"Gute Nacht, Fuchs." "Gute Nacht, Hase."

Auch wenn sich niemand darüber Gedanken machen wollte: nächste Woche fährt Lilli in die hüttigste Hütte, die man sich vorstellen kann. Kanada pur, Schnee pur, Wald pur, Skifahren und Nachtwanderung mit Fackeln pur. Der kleine Strolch hat jetzt schon Angst, vor allem, weil Lilli beim Abendessen laut vor sich hin sinnierte, dass es wohl keine Bären in der Nähe der Hütte geben würde, höchstens ein paar Füchse und den einen oder anderen Wolf. Als Europäer hat man diese Postkartenklischees nun mal in der ADN, was will man machen.

Dienstag, 24. Februar 2009

To do - tadamm!

Fackeln
Kartoffelbreipulver
Pancake-Mischung, Ahornsirup
7 Tafeln Schokolade
1 große Tüte Gummibären
Ziegenfutter (was frisst so ein Tier?)
Videoclub
Gulasch vorkochen
Maultaschen

Und: was macht Lilli wohl nächste Woche?

Montag, 23. Februar 2009

Kunst ist...

„Mami, was macht der Mann da drin?“, fragten die Strolche früher immer, wenn sie ins Hallenbad gingen und an einer Garage vorbeikamen, in der ein Künstler sein Atelier eingerichtet hatte. „Der macht Kunst“, sagte Lilli dann immer lahm, ohne recht erklären zu können, was man darunter versteht. Denn meistens (so konnte man jedenfalls durch die offenstehende Garagentür beobachten) hämmerte der Mann auf einem Gipsblock herum oder schweißte Eisenstangen zusammen, während im Vordergrund Quietsche-Enten und Weinflaschen in einem Planschbecken schwammen und Jazz vom Feinsten lief. „Mami, was ist Kunst?“, fragten die Strolche natürlich unweigerlich, bis Lilli einen ersten und relativ erfolgreichen Besuch im Museum auf die Tagesordnung setzte. Darauf folgten im Lauf der Jahre mehrere andere Besuche in Montréal, Québec und auch in Deutschland, die alle eines miteinander gemeinsam hatten: es handelte sich um relativ gegenständliche Kunst, wenn auch vielleicht mal ein grünes Gesicht dabei war, eine Skulptur aus Schokolade oder ein in der Luft hängender Schredder, der in regelmäßigen Abständen Konfettis auf den Boden regnen ließ. Letzte Woche aber ging es zu den großen bunten Bildern von Claude Tousignant, dem das Musée d’art contemporain in Montréal momentan eine Sonderausstellung widmet. Diese fängt mit Farbflecken an, die schnell von Streifen und zielscheibenartigen konzentrischen Kreisen abgelöst werden, um schließlich in riesige monochrome „Werke“ zu münden, eines davon in unberührtem Weiß. Aber die Strolche gingen mit offenen Augen und Herzen von Saal zu Saal, bewunderten, begutachteten – und lachten auch manchmal, wenn der große Strolche meinte, dass er dieses oder jenes Werk auch vollbringen könne, wenn Lilli ihm nur einen genügend großen Farbeimer zur Verfügung stellen würde. Als sie später bei Kaffee und Kuchen saßen, stellte Lilli mutig die Frage, mit der ihre Museumsbesuche vor ein paar Jahren angefangen hatten: „Wißt Ihr jetzt, was Kunst ist?“ Wie immer hatte der kleine Strolch eine Antwort parat. „Kunst ist cool“, meinte er lakonisch. Und Lilli dachte bei sich, dass das nicht die schlechteste Definition sei.

Mittwoch, 18. Februar 2009

Wer sich vergleicht...

Tiefschürfendes Gespräch mit einer Freundin beim Italiener - zum Mittagessen, denn abends sind Mütter ja angebunden.

Freundin: Manchmal wünschte ich mir, ich würde morgens aufwachen und wäre ein anderer Mensch an einem anderen Ort.
Lilli (bestürzt): Ehrlich? Ich wäre gern der gleiche Mensch am gleichen Ort, nur mit einem anderen Mann. Oder besser gesagt, mit meinem Mann von früher...

So gesehen gibt es immer noch Leute, denen es schlechter geht als uns selbst.

Dienstag, 17. Februar 2009

Es gibt sie tatsächlich!

Nämlich Mütter, die richtig gerne voll berufstätig sind und nicht verstehen, warum andere Frauen die Doppelexistenz als solches Dilemma empfinden. Hier ein Beispiel:

Lilli: Das Blödeste daran, in der Stadt zu arbeiten, war ja, dass ich auf dem Heimweg glatt eine Stunde in Metro und Bus zugebracht habe. Was für eine Zeitverschwendung… (schüttelt missbilligend den Kopf).
Freundin: Warum bist du nicht mit dem Zug gefahren, der braucht nur eine Viertelstunde.
Lilli: Der Zug fährt erst um 5. Und ich wollte doch um 4 zu Hause sein, wenn die Kinder aus der Schule kommen.
Freundin: Aber die hätten doch nach der Schule in die Kernzeitbetreuung gehen können. Dann hättest du länger arbeiten UND den Zug nehmen können.
Lilli: Ja, schon, aber ich WOLLTE doch um 4 zu Hause sein.
Freundin zuckt die Achseln, was soviel heißt wie: selber schuld.

Montag, 16. Februar 2009

Valentin Schmalentin

Das Herz ist eine große Mischbatterie, in der außer heißer Liebe und Freundschaft und kalter Abneigung auch allerhand lauwarme Gefühle existieren, die in Worte auszudrücken dem Menschen oft schwerfällt. So verbrachten Lilli und Monsieur einen eher stummen Valentinstag, der für Monsieur wie befürchtet mit Arbeiten und für Lilli mit häuslichen Beschäftigungen verging, bis die Familie sich am frühen Abend dazu aufraffte, Billard spielen zu gehen. Ein idealer Zeitvertreib für alle, die nicht miteinander reden wollen/können… aber die Strolche hatten ihren Spaß dabei, und lachende Strolche sind so ziemlich das beste Allheilmittel gegen zeitweilige Trübnis. Und vielleicht wird dieser pausbäckige Engel auch überbewertet und es ist gar keine Katastrophe, dass ein Paar nun ausgerechnet am 14. Februar nicht in Liebesschwüre ausbricht. Denn schon am Sonntag schien die Sonne um einiges wärmer auf Lilli herunter und ließ die Hoffnung aufkeimen, dass der nächste Valentinstag vielleicht schon nächste Woche im Kalender steht…

Freitag, 13. Februar 2009

Angst vor Valentin

Lilli fürchtet sich ein bisschen vor Samstag, denn da ist Valentinstag. Sie hat Angst, dass Monsieur so richtig daran denkt und ihr eine Freude macht, weil sie selbst gemischte Gefühle mit sich rumträgt. Und sie hat Angst, dass er überhaupt nicht daran denkt und den Samstag wie so oft mit Arbeiten verbringt – und sie mit ihren gemischten Gefühlen allein lässt. Nicht gerade eine win-win-Situation, wie der Stratege sagen würde.

Über Lilli

Laufen ist denken, manchmal auch überlegen, immer aber sich erneuern. Eine neue Sicht auf die Dinge erlangen, die uns bewegen. Laufen ist manchmal auch davonlaufen, für eine Weile wenigstens, bevor man wieder heimkommt zu Mann und Kindern, Wäsche und Kochtopf, zu den eigenen Macken und all den bunten Schnipseln, die ein Leben so ausmachen. Laufen ist das beste Beobachten, das es gibt.

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Zuletzt aktualisiert: 23. Mai, 03:27

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