Moment mal

Manchmal ist es ja so, dass man sich über die unaufgeräumte Garage ärgert, man dieses löbliche Projekt aber nicht in Angriff nehmen kann, solange nicht der Wäscheberg beseitigt ist, dieser aber diese Woche besonders gross ist, weil man seine Zeit mit Papierkram zubringt, der noch wichtiger ist als die Wäsche oder die Garage. Es ist aber die Garage, die an einem nagt, und da man kaum über den Wäscheberg oder den Papierstapel hinwegsieht, beschleicht einen manchmal das Gefühl, dass der Alltag uns auffrisst, bevor man dazu kommt, irgendetwas Konstruktives zustande zu bringen in seinem ganzen, kleinen, mit Nichtigkeiten zugemülltem Leben. Man fängt an, zu glauben, dass man für alle Zeiten glücklich sein würde, wenn man nur eine aufgeräumte Garage hätte, dass aber dieser seelische Zustand ins Unerreichbare abdriftet, da sich der Papierkram und vor allem die schmutzige Wäsche Woche um Woche wie durch einen besonders teuflischen Zauberspruch von selbst erneuert.

Dann kommt der Tag, an dem der Papierkram erledigt ist und schon morgens um 9 Uhr die zweite Maschine Wäsche läuft. Dann könnte man endlich - ENDLICH - die Garage aufräumen und für alle Zeiten glücklich sein. Tut man aber nicht. Statt dessen kauft man frischen Rhabarber und macht einen dieser Aufläufe mit Streuseln obendrauf, die mit Schlagsahne gegessen werden müssen und so eine schöne Abfolge von sauer, süss und knusprig im Mund erzeugen, dass man tatsächlich wie in der Joghurtwerbung die Augen schliesst, um besser geniessen zu können. Und vertagt das grosse Glück der aufgeräumten Garage auf einen späteren Zeitpunkt. Jawohl, manchmal will man nur ein kleines Glück, dieses aber sofort.
yonosequepasara - 8. Jun, 02:39

Ich mag Menschen, die Prioritäten zu setzen wissen!
:-)
Ganz mein Ding!

(Und ganz im Ernst.)

Lilli legt los - 8. Jun, 18:31

Gut ist es, wenn man auf Menschen trifft, die die gleichen Prioritäten haben. Dann kann man ganz viele kleine Glücksmomente aneinanderreihen...
T.M. (Gast) - 8. Jun, 06:58

Können Sie auch mit Pflaumen und so?

Lilli legt los - 8. Jun, 18:32

Die Pflaume und ich stehen nicht auf gutem Fuss, dafür kommen mir öfters mal Aprikosen unter. Ist hier nur nicht so das Klima dafür.
muellerto - 9. Jun, 05:41

Kein Klima? Sie waren wohl noch nie in Peachland, wie? Das ist doch da bei Ihnen gleich um die Ecke am Okanagan. (Da gibt's übrigens ganz entzückende Klapperschlangen.)

P.S.: Was ist denn da bei Ihnen los? Man hört über Verschwendung von Steuergeldern für irgend einen künstlichen See. Da steckt doch wieder der Mr.Harper dahinter, gell? Ha, na sowas würde es hier jedenfalls nicht geben! Nie!
Lilli legt los - 9. Jun, 11:31

Das Um-die-Ecke-biegen müssen wir wohl erst noch lernen. Wie der Mr. Harper das richtige Denken.

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Über Lilli

Laufen ist denken, manchmal auch überlegen, immer aber sich erneuern. Eine neue Sicht auf die Dinge erlangen, die uns bewegen. Laufen ist manchmal auch davonlaufen, für eine Weile wenigstens, bevor man wieder heimkommt zu Mann und Kindern, Wäsche und Kochtopf, zu den eigenen Macken und all den bunten Schnipseln, die ein Leben so ausmachen. Laufen ist das beste Beobachten, das es gibt.

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